Heinz Erhardt ist mir letztens noch mal bei einem Freund im WhatsApp Status in die Finger gekommen.
„Früher war alles gut, heute ist alles besser. Es wäre besser, wenn wieder alles gut wäre!“

Ein Rückblick auf die Vergangenheit; auf welchen Zeitpunkt denn eigentlich? Auf die Zeit vor der Digitalisierung, auf die Zeit vor Corona; auf die Zeit, die sich lohnt zu konservieren?
Ist also die Aussage: „Früher war alles besser!“ ein Thema der ewig Gestrigen? Ja, bei der Begleitung von Veränderungsprozessen höre ich diese Aussage immer wieder. Bitte lasst es doch so, wir sind doch gut dabei gefahren. Warum denn schon wieder etwas Neues?

Gerade solche Krisensituationen, wie wir sie zurzeit erleben, sind allerdings auch die große Chance, eben nicht mit den alten Methoden weiterzumachen, sondern Neues zu entwickeln.
Dies ist jedoch unbequem. Konflikte sind dazu geeignet, sich weiter zu entwickeln. Der Konflikt wirkt wie ein Katalysator für Entwicklung (und Wachstum). Reinhard K. Sprenger sagt es in aller Deutlichkeit. Das Leben beginnt, wenn wir die Komfortzone verlassen.

Reiben wir uns nicht an den Eltern, so können wir als Kinder kein eigenes Ich entwickeln. Deswegen sei die Überschrift „Früher war alles besser“, wirklich als Warnung verstanden.

Der Konflikt geht jedem Neubeginn voraus. Doch Konflikte meiden wir wie eine Krankheit und kleistern lieber alles mit Harmonie zu. Wir halten am Bekannten fest, weil wir das Risiko, die Unbekannte scheuen. Wir verharren in der Nostalgie, weil wir die Vergangenheit kennen. Wir schauen auf unsere eigene Kindheit und uns fallen die schönen Geschichten ein … Ist es nicht vielmehr eine Geschichte, die sich mit dem verblichenen Fotoalbum verbindet? Ja, meine Generation kennt sie noch, die gezackten Schwarz-Weiß-Fotos, eingeklebt in einem Album.

Gerade wenn es mal nicht so gut läuft (bahnt sich da eine Veränderung an?), sind wir schnell dabei, das Urteil zu fällen: Ja, früher, da war alles besser. In Wirklichkeit gibt es verschiedenste Studien, die genau das Gegenteil belegen. Denken wir nur an das verbesserte Gesundheitswesen, dass es uns ermöglicht, ein viel längeres selbstbestimmtes Leben zu führen. Heute ist es wirklich so, dass bei einer Todesanzeige eines 80-Jährigen geschrieben steht: „Plötzlich und unerwartet“. Mein Opa ist 1972 verstorben und war gerade mal 83 Jahre alt. Er war ein alter Herr und hatte ein gesegnetes Alter erreicht, wie es damals hieß.

Heute ist es fast selbstverständlich, dass ein 83-jähriger Mensch noch voll am Leben teilnimmt. Unser Fortschritt ist schon klasse. Nicht alles Gestrige ist besser.

Veränderungen sind einfach spannend und wir können froh sein, dass es genügend Menschen gibt, die nicht am Alten festhalten, sondern sich gerne neuen Dingen zuwenden. Diese Einstellung ermöglicht es auch, sich mit allen Generationen auseinanderzusetzen. Nimm die Menschen, die in der Vergangenheit verharren, mit auf eine spannende Reise. Achte jedoch auf das Tempo, was du gehst. Alle, die bislang ängstlich auf die Zukunft gestarrt haben, benötigen eine empathische Begleitung auf den neuen Weg. Unsere kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten ermöglichen uns diese

Weiterentwicklung. Die Zukunft ist spannend, allerdings ist der Weg nicht immer harmonisch.

Das Leben ist gerade nicht der ruhige dahin plätschernde Fluss.

dein Egbert Schuwardt

Mediator und Coach

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