Freiheit

„Nur ein Mensch, der einfach mal nicht tut, was er nicht tun will, ist frei!“ Das sagt uns Karsten Dusse in seinem Buch, das ich gerade verschlinge „Achtsam Morden“.

Der gestresste Strafverteidiger wird von seiner Frau zum Achtsamkeitstraining geschickt. Der Trainer gibt den Tipp: Einfach mal nicht tun, was du nicht tun willst.

Ist das die Freiheit, nach der wir uns heute sehnen? Ich glaube ja. Diese Ungebundenheit ist das, wonach wir streben.
Gerade in der heutigen Corona-Zeit ist es schwer, diese Freiheit leben und erleben zu können. Deswegen ist es vielleicht der kleinste Nenner: Einfach mal nicht tun, was man eigentlich nicht tun will. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kommt dies meinem Freiheitsideal nahe. Selbst wenn ich mit den Dingen, die ich tue, meinen Lebensunterhalt verdiene, ist es keine Freiheit, mich in diesen Zwang zu begeben.

Freiheit wird von vielen insbesondere Philosophen unterschiedlich gesehen. Hannah Arendt hat sich in ihrer Schrift „Die Freiheit, frei zu sein“, mit einem sehr geschichtsträchtigen Freiheitsbegriff auseinandergesetzt. Freiheit ist ein weites Feld und gar nicht so leicht zu definieren. Auf alle Fälle bedeutet Freiheit mehr als die Abwesenheit von Furcht und Not. Hannah Arendt weiter: Echte Freiheit erfährt man erst, wenn man aktiv an einer Gesellschaft teilnimmt und (da ist es wieder, was uns Karsten Dusse sagen möchte) und seine Lebensumstände selbst gestalten kann. Ich will aber nicht soweit gehen und die Revolution als Ausdruck menschlichen Strebens nach mehr Selbstbestimmung und Freiheit zu bezeichnen. Das mag mitunter bei Revolutionen zutreffen.

Mir geht es allerdings um die Freiheit als Abwesenheit von Zwängen. Wir genießen die zwanglose Zeit im Urlaub oder am Wochenende.
Freiheit bedeutet ferner auch die Möglichkeit der Entfaltung der Mitarbeit in einer agilen Organisation. Freiheit, meine Ideen zur Weiterentwicklung der Organisation einzusetzen.

Freiheit hat für jeden eine andere Bedeutung, Denken wir nur an die Politik. Jede politische Richtung wird den Freiheitsbegriff anders definieren.
Aus dem Grunde fällt es nicht leicht, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, obwohl wir alle als ein Grundbedürfnis „Freiheit“ nennen.
Die Leidenschaft für die Freiheit erwacht bei Müßiggängern, die keinem Herren (heute wohl eher einem Vorgesetzten) dienen mussten; und somit nicht immer in einem zeitlichen Korsett ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.

In der Französischen Revolution entwickelte sich nicht nur der Gedanke der Gleichheit (Gleichberechtigung) aller Menschen, sondern auch der Gedanke, dass Freiheit die Freiheit von Not, Armut und Hunger bedeutet. Dies ist der ökonomische Aspekt der Freiheit. Der weitere Aspekt ist die Freiheit von Furcht vor willkürlicher Herrschaft.

Dies werden viele Gastronomen, Reiseveranstalter und Kulturschaffende seit der letzten Oktober Woche 2020 anders sehen. Sie haben sehr gute Konzepte aufgestellt und müssen dennoch im November ihre Arbeit einstellen. Wen trifft der 2. Lockdown? Werden unserer Freiheitsrechte eingeschränkt? Ich glaube ja. Ich will mich an dieser Stelle auch nicht weiter damit auseinandersetzen.

Es gibt viele, die 1989 vor nunmehr über 30 Jahre für ihre Freiheitsrechte demonstriert haben. Aber auch besondere Menschen wie Mahatma Ghandi und Nelson Mandela haben nicht nur für ihre persönliche Freiheit gekämpft, sondern ihren Völkern den Weg in die Freiheit gezeigt.

Mir geht es aber um die Freiheit in unserer heutigen Arbeitswelt, an deren Unfreiheit wir zum Teil zerbrechen. Ich möchte hier an meinen letzten Blog Beitrag „SLOW“ erinnern. Alleine gehen oder wandern kann dir schon ein Stück Freiheit und Klarheit im Alltag bringen.
Freiheit ist genau das: einfach mal nicht tun, was du nicht tun willst. Achtsam mit sich selbst umgehen und Freiheit ist die bewusste Auswahl zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten entscheiden zu können.

Schaffe dir in deinem Alltag kleine Freiheitsinseln, auf denen du genau das nicht tust, wozu du keine Lust hast. In diesem Sinne, mache ich mir mit Ina jetzt einen schönen freien Abend,

dein Egbert Schuwardt

Mediator und Coach

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