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Und Plötzlich Werden Erinnerungen Wach!

Und plötzlich werden Erinnerungen wach!

Wie schnell ist das Jahr vergangen und Morgen ist Sommeranfang 2020. Zum Einen ist das Jahr geflogen. Vier Jahreszeiten: Sommer, Herbst Winter, Frühjahr und Morgen wieder Sommer. 
Es gab sehr, sehr viele Momente, an die ich konkrete Erinnerungen habe. Viele Erlebnisse aus der längeren Vergangenheit sind dann allerdings verborgen, bis sie plötzlich da sind.

Kennst du das auch?

Ich will dir erzählen, welche Erinnerung an meine Kindheit plötzlich wieder da war.
Nach meiner Fortbildung zur Prozessbegleitung in Organisationen in Hamburg habe ich mein Auto in Hitzacker an der Elbe geparkt um mit dem Rad in zwei Etappen über Rathenow nach Berlin zufahren, wo Ina ihre Mediationsausbildung fortsetzt.

Beim Radfahren, wie auch beim Wandern werden bei mir alle Sinne geschärft.
Der störende Lärm (hören) des LKW, der mich auf einer mit Schlaglöchern übersäten Landstraße (fühlen) überholt; der Geruch (riechen) der Elbe kurz vor einem Regenschauer; das Käsebrötchen (schmecken) das ich mir aus dem Rucksack geholt habe; die verschiedenen Grüntöne (sehen) in den Elbauen.

Bei meinen Radtouren im Frühjahr kommen besonders die visuelle und die olfaktorischen (riechen) Wahrnehmung bei mir aus der Schublade.
Wann habe ich das letzte Mal den im Wind flatternden roten Mohn oder die blaue Kornblume am Rand eines Weizenfeldes bewusst wahrgenommen.
Diesmal war es besonders der Geruchssinn, der Kindheitserinnerungen wachrief.

Als ich am Donnerstag mit der Elbfähre „Werben“ nach Havelberg übersetzte, war allein die Fahrt mit der Gierfähre schon ein Erlebnis für viele Sinne:
Nur das Gurgeln des Wassers war zu hören, Der Geruch der Elbe war zu riechen. Kein Dieselmotor zu hören oder die Abgase zu riechen. Die Fähre (Gierfähre) nutzt allein zur Fortbewegung die Strömung der Elbe. Völlig geräuschlos.

Als ich dann am anderen Ufer von der Fähre runterfuhr, den Helm wieder aufsetzte rief Ina an und ich erzählte ihre Begeistert von der Langsamkeit der Fähre.
Ich radelte ein kurzes Stück weiter und roch mit einem Mal Blumen, die mich an meine Kindheit erinnerten. Ich wusste noch nicht, welche Pflanze es war. Es wäre leicht gewesen mit Hilfe einer App herauszufinden, was für eine Pflanze es war. Ich habe noch nicht einmal an die App gedacht.

Es war der Duft, den ich als Kind aus dem alten Kochtopf gerochen hatte. Er war ein sehr angenehmer Duft. Wenn ich erkältet war hat Mutti Kamillenblüten in dem alten Topf mit Wasser aufgekocht und ich habe mir ein Handtuch über den Kopf gelegt, um nur diesen Duft einzuatmen. Als ich dieses Bild vor Augen hatte kamen auch die Erinnerungen an diese besondere Pflanze an. Mutti, die sich liebevoll um uns gekümmert hat. Das warme Gesicht über dem Kamillendampf.

Plötzlich wusste ich welche Pflanze am Weg stand. Ich hielt an, sah die Blume an, die Ähnlichkeit mit Gänseblümchen hat. Ich fasste die Pflanzenbüschel mit beiden Händen an und roch an meinen Fingern.
Da waren sie: Die Erinnerungen an längst vergessene Zeiten.

Unser Gehirn ist doch ein Wunderwerk. Allein der Geruch hat längst verschüttet geglaubte Erinnerungen zum Vorschein gebracht.
Ja: Kamille!!!

In der Mediation mache ich das gerne, die Medianden zu fragen, was sie in einer bestimmten Situation

gefühlt,
gesehen,
gehört,
geschmeckt und
gerochen
haben.

Eine wunderbare Erfahrung, wie unser Riechsinn Kindheitserinnerungen zum Leben erweckt.

Probiere es auch: was erinnert dich bei einem Geruch an deine Kindheit?

dein

Egbert Schuwardt
Mediator und Coach

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