Überspringen zu Hauptinhalt
Online Mediation: Nur Etwas Für Krisenzeiten?

Online Mediation: Nur etwas für Krisenzeiten?

Mitten in der Corona-Krise häufen sich nunmehr auch die Konflikte. Wir haben uns alle in eine freiwillige Quarantäne begeben, um Menschenleben zu retten. Einen Beitrag, den wir insbesondere unseren Eltern und älteren Menschen schuldig sind.

Wie können wir aber gerade jetzt aufkommende Konflikte lösen, ohne sich zu begegnen? Online-Mediation ist das das Mittel der Wahl?
Was zeichnet die Mediation aus? Wir suchen gemeinsam nach einer Lösung, die alles Interessen besser gerecht wird. Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, das sich in mehrere Phasen einteilen lässt. Je nach dem, wie man es gelernt hat unterscheidet man bis zu 5 Phasen:

Phase I
Klärung, ob das Mediationsverfahren geeignet ist und Abschluss eines Mediationsvertrages

Phase II

Erstgespräch mit den Beteiligten. Was soll geregelt werden. Man nennt dies die Auftragsklärung

Phase III (das Herzstück der Mediation)

Konfliktbearbeitung mit dem Ziel des gegenseitigen Verstehens und Verständnisses für die Position sowie die Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten.

Phase IV

Entwicklung von kreativen Optionen und Bewertung der Lösungen.

Phase V

gemeinsame Vereinbarung bzw. Abschluss eines Vertrages

Wie kann man sich denn nun bei diesen Phasen eine Online-Mediation vorstellen?

Zunächst geht es ja nur mit technischen Hilfsmitteln. Der PC mit einer Webcam ausgestattet und ein Kopfhörer mit Microphon. Auf einem kleinen Ausschnitt sieht man sich. In der Regel sieht man auch nur den Oberkörper und man kann nicht die gesamte Körperhaltung sehen. Dabei sind Mimik und Gestik fast wichtiger als das gesprochene Wort. Wir sind darüber hinaus soziale Wesen, die ohne andere Menschen nicht sein können. Das spüren wir gerade jetzt in den Zeiten der Isolation ganz besonders.

Technische Hilfsmittel können das persönliche Miteinander nicht ersetzen, aber die Technik kann uns helfen, wenn persönlicher Kontakt nicht möglich ist. Dieser persönliche Kontakt kann dann nicht möglich sein, wenn wir Ausgangsbegrenzungen haben oder Menschen weit entfernt voneinander sind und nur mit großen Mühen sich an einem Ort zusammenfinden können.

Was bleibt also von der üblichen Form der Mediation übrig?

Die Struktur einer Mediation kann nicht 1:1 übernommen werden. Möglichweise sind Einzelgespräche (ohne Anwesenheit des Anderen) das geeignete Mittel.
Meine Erfahrungen mit der Online-Mediation haben gezeigt, dass folgende Voraussetzungen überhaupt gegeben sein müssen:

  • Jeder Teilnehmer benötigt einen eigenen Bildschirm mit Kamera. Die Nutzung eines PC für 2 Medianden ist sehr unglücklich.
  • Ein Zugang nur mit dem Smartphone ist nicht geeignet.
  • Vorab müssen Etiketten vereinbart werden, die in einer normalen Mediation üblich sind.
  • Es muss sicher gestellt sein, dass der vertrauensvolle Raum auch bei einer Online-Mediation gewährleistet ist.
  • Die Teilnehmer sollten eine gewisse technische Kompetenz haben.
  • Da die soziale Nähe bei körperlicher Distanz fehlt, sollten alle Teilnehmer sich gut konzentrieren können. Meine Erfahrung zeigt, dass die Sitzungen höchstens 45 bis 60 Minuten dauern sollten und dann eine Pause eingelegt wird.
  • Die für mich hilfreiche Visualisierung kann nicht am Flipchart erfolgen sondern auf einem geteilten Bildschirm.

Nach meinen Erfahrungen ist die Mediation in den ersten beiden Phasen und und in der letzten Phase online möglich.

Wenn es um das gegenseitige Verstehen der Interessen geht, bevorzuge ich immer die Mediation in Anwesenheit der jeweiligen anderen Person.
Aber die Not macht ja bekanntlich auch erfinderisch und deswegen biete ich auch gerne eine Online-Mediation an.

In diesem Sinne, bleibe gesund
dein

Egbert Schuwardt
Mediator und Berater

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.