Faule Kompromisse – es bringt nichts, wenn keiner seinen Willen bekommt.

„Schuwardt, wir müssen reden!“

Schon häufig habe ich darüber geschrieben, dass es mehrere Wege gibt einen Konflikt zu lösen.

Die unterste Stufe ist einfach weglaufen (oder Gewalt), um den Konflikt zu lösen. Dies kann mal eine Variante sein – also nicht die Gewalt, aber das Weglaufen.

Gerne delegieren wir die Lösung an einen Dritten. Als Kinder haben wir doch gerne die Entscheidung den Eltern überlassen, wenn ich mich mit meinen Geschwistern nicht einigen konnte. Als Erwachsene delegieren wir gerne die Entscheidung einem Richter. Und die nächste Stufe der Konfliktlösung ist dann schon sehr schnell der Kompromiss.

Der Kompromiss ist zumindest schon mal eine freiwillige Entscheidung der Konfliktparteien, ohne wegzulaufen oder die Entscheidung einer anderen ausstehenden Person zu überlassen. Der Kompromiss zeichnet sich allerdings auch dadurch aus, dass die Konfliktparteien auf Teile ihrer ursprünglichen Forderung verzichten und sich aufeinander zubewegen. Mit anderen Worten ist der Kompromiss eine Einigung durch gegenseitige Zugeständnisse. Jeder hat sich also bewegt, um diese Lösung anzustreben. Bewege ich mich z. B. mit dem Ziel eine möglichst (zeitlich) schnelle Lösung zu erreichen, so kann das für mich eine gute Lösung bedeuten.

Aus Tarifverhandlungen kennen wir das. Die Arbeitnehmer haben 5 % Lohnerhöhung verlangt, die Arbeitgeber wollen nicht mehr bezahlen. Nach langen Streiks und nächtelangen Verhandlungen treten die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber mit tiefen Augenringen vor die Presse und verkünden den Kompromiss. „Wir haben uns auf eine Einmalzahlung und auf 3 % Lohnerhöhung und eine Laufzeit von x Monaten geeinigt!“

Und was halten wir von einer solchen Lösung? Entweder hatte jede Partei im Vorfeld gepokert oder die Kompromisslösung wird zähneknirschend akzeptiert.

Wollen wir die Kompromisslösung allerdings mal aus einer anderen Sicht betrachten:

Bei einem Kompromiss gehen die Parteien von ihrem jeweiligen Ausgangspunkt aufeinander zu. Die Kompromisslösung impliziert, dass sich die Parteien von Beginn an einigen wollen. Also es muss nicht immer der faule Kompromiss wie bei Tarifverhandlungen sein. Wenn beide Parteien im Bewusstsein der Bewegung aufeinander in Verhandlungen treten, so ist der Kompromiss bereits eine sehr hohe Ebene der Einigungs- und Lösungsbereitschaft.

Wenn jedoch jede beteiligte Partei auch nur ein bisschen von seinem Ausgangswillen bekommt, so ist der Kompromiss ein wunderbarer Weg den Konflikt zwischen Menschen zu lösen.

Also, lasst uns reden.

Dein Egbert Schuwardt
Mediator | Coach | Berater

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