Die Alpen Fragen: Wie sehr vertraust du dir selbst?

Die Alpen sind nicht einfach nur Kulisse. Sie stehen da wie uralte Hüter und stellen jedem, der sie durchquert, diese eine Frage: Wie sehr vertraust du dir selbst?

Als ich Anfang September in Innsbruck aufbrach, war mir bewusst: Diese Gravelbike-Tour würde nicht nur körperlich fordern. Am Ende der Strecke wartete nicht nur der Gardasee, sondern auch ein neuer beruflicher Abschnitt. Ich verkaufe meinen Kanzleianteil und wende mich stärker Mediation, Coaching und Supervision zu. Doch bevor ich diesen Schritt gehen konnte, wollten die Berge mich prüfen.

Reschenpass – Prüfung

Hinter Landeck verengte sich das Tal, die Steigung begann, und die Alpen stellten ihre erste ernste Frage: Traust du dir selbst?
Kehre um Kehre, Atemnot, brennende Beine – der Reschenpass machte mir klar, dass hier nichts geschenkt wird. Doch oben, am Reschensee, wo der alte Kirchturm aus dem Wasser ragt, spürte ich, wie Vertrauen entsteht: nicht in Leichtigkeit, sondern im Durchhalten, wenn es keinen Ausweg gibt.


Meran – Aufatmen

Die Abfahrt ins Vinschgau war wie eine Erlösung. Wind im Gesicht, süße Luft aus den Apfelgärten, ein Gefühl von Loslassen. In Meran, Kaltern und Bozen öffnete sich die Landschaft, wurde milder, weicher. Es war, als würden mir die Berge zuflüstern: Veränderung ist nicht nur Kampf, sie ist auch Reifung, ein Reifen in Wärme und Licht.


Trient – Zweifel

Doch dann kam Trient. Die Rampen legten sich hart ins Tal, und mit ihnen kehrte die alte Stimme zurück: Vertraust du deiner Entscheidung wirklich?
Der Zweifel sprach: „Wirst du den Halt verlieren, wenn du die vertrauten Strukturen der Kanzlei hinter dir lässt?“
Und dennoch: Mit jedem Tritt wuchs die Gewissheit, dass Loslassen nicht Verlust bedeutet, sondern Freiheit – Freiheit, Neues zu gestalten.


Gardasee – Ankommen

Zwischen grauen Felsen schließlich der erste Blick: das tiefe Blau des Gardasees. Weit, still, fast wie eine Offenbarung. Meine Hände zitterten, Tränen stiegen mir in die Augen.
Hier, am Wasser, war es kein Ziel, das ich erreicht hatte – es war ein Neubeginn.

Die Alpen hatten mich geprüft, mich entkleidet von Ausreden und alten Rollen. Sie hatten mir ihre Frage gestellt: Wie sehr vertraust du dir selbst?
Und ich hatte geantwortet – mit Schweiß, mit Mut, mit Vertrauen.

Am Ufer wusste ich: Ich bin bereit. Bereit, das Kapitel der Kanzlei zu schließen. Bereit, Menschen nicht mehr nur steuerlich zu vertreten, sondern sie in Prozessen der Klärung, des Wachstums und der Transformation zu begleiten – als Mediator, Coach und Supervisor.

Die Alpen sind nicht Kulisse. Sie sind Spiegel, Schwelle und Lehrmeister. Wer ihre Frage beantwortet, findet den Mut, ins Neue einzutreten – auf dem Rad, im Beruf, im Leben.


In diesem Sinne bin ich jetzt über den Berg,

Dein Egbert Schuwardt
Mediator | Coach | Supervisor

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